Acrylfarben
Um mit Acrylfarben zu malen, muss man die sichersten Farben herausfinden. Das ist nicht ganz einfach, weil Empfindlichkeiten unterschiedlich sein können und die Hersteller keine Tests veröffentlichen. Zeitschriften wie das Art and Graphic Magazine haben in der Vergangenheit gelegentlich Testergebnisse veröffentlicht, die sie selbst unternommen hatten. Manche Acrylfarben-Marken sind mit weniger Toxinen belastet und haben eine höhere Qualität als andere. Generell kann man sagen, billige Acrylfarben und vor allem Wandfarben auf Acrylbasis enthalten häufig Lösungsmittel, teure und hochwertige Künstlerfarben sind hingegen oft wasserlöslich und enthalten „nur“ Ammonium und Formaldehyd in kleinen Mengen plus weitere 28 Chemikalien, die praktisch nie näher benannt werden. Die hohe Pigmentierung macht diese Farben teuer, aber auch sehr ergiebig, weil man sie verdünnen kann. Ammonium und Formaldehyd gehören zu den giftigsten Komponenten in Acrylfarben, von denen wir Kenntnis haben. In wasserbasierten Acrylfarben wird Ammonium als Stabilisator und Formaldehyd als Konservierungsmittel eingesetzt. Man weiß, dass beide sensibilisierend sind und dass Formaldehyd im Verdacht steht, Krebs zu erregen. Von Seiten der Hersteller behauptet man, die Menge der zugesetzten Chemikalien sei ungefährlich und sie gasen im Produktionsprozess aus – aber die Restmenge kann durchaus genügen, um bei MCS-Betroffenen und selbst bei gesunden Personen Reaktionen zu verursachen! Leider kann man gesundheitliche Langzeiteffekte häufig nicht nachweisen – und so bleiben die Hersteller bei ihrer Behauptung, bis sie widerlegt werden kann. Als umweltkranke Malerin kann ich sagen, dass man bei längerem Malen die Ausgasung dieser Stoffe bewusst wahrnimmt. Nasenhintergrundreizungen und Hüsteln weisen einen daraufhin, dass man nicht auf ausreichenden Atemschutz geachtet hat! Die Verursachung von chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma und von Allergien der Haut erscheint also nachvollziehbar! Acrylfarben können sehr intensiv duften, je nach Marke. Man kann den Geruch manchmal mindern, in dem man die geöffnete Flasche ein paar Tage auf dem Balkon ausgasen lässt und dann den Schwund mit destilliertem Wasser auffüllt. Wenn der Geruch immer noch zu stark ist, muss man eine Atemschutzmaske benutzen, ausreichend verdünnen und das Studio gut lüften. Es lohnt sich, verschiedene Marken zu testen! Nach Aussage befreundeter Künstler und meinen eigenen Erfahrungen, duften Liquitex und Lascaux am wenigsten stark. Für andere Marken kann das allerdings ebenso gelten. Als besonders stark duftend fiel Akademie Acryl auf. Neue Entwicklungen auf dem Kunstmarkt bewerben mit Duftstoffen versetzte Acrylfarben, die einem ein besonderes sensorische Erlebnis beim Malen versprechen. Vor solch zweifelhaften Neuentwicklungen kann nur gewarnt werden! Die zunehmende Beduftung von Waren ist äußerst kritisch zu sehen! Eine solche Beduftung ist nur nötig, um chemische Gerüche zu übertünchen und potenziert die Gesundheitsgefahr von Kunstmalern noch. Als duftfreie Alternative bietet sich nur das selber Herstellen der Acrylfarben an. Das ist generell möglich, aber nicht ganz einfach. Man braucht einen wenig duftenden Acrylbinder und Pigmente, aber diese lassen sich nur schwer ohne Nestbildung auflösen. Man sollte sie daher 24 in Wasser einweichen, bevor man sie in den Binder einbringt. Problematisch ist und bleibt das Einbringen des Pigmentpulvers – denn lose Pigmente sind Feinstaub, der in unsichtbaren Partikeln tief in die Lunge eingeatmet wird und dort langfristig schwere Schäden anrichtet! Dazu bitte auch in unserem Kapitel über Pigmente nachlesen! Da diese Methode des Selbermachens von Acrylfarben zwar gesund, aber zeitaufwändig ist, verwenden die meisten Maler standardisierte Farben aus dem Fachhandel. Falls man beim Malen damit keine Atemschutzmaske akzeptieren kann, um seine Gesundheit zu gewährleisten, sollte man lieber mit anderen Farben arbeiten! Langzeiteffekte kleiner Dosen sind nämlich genauso krankmachend wie eine Vergiftung mit einer hohen Einzeldosis. Und zwar auch dann, wenn die Chemie- oder Pharmaindustrie stets das Gegenteil behauptet. Eine positive Neuentwicklung auf dem amerikanischen Markt sind als „grün“ beworbene Acrylfarben verschiedener Marken. Es sind meist kraftvolle Farben ohne toxische VOC’s, die bestens decken und vermischbar bzw. mit Wasser verdünnbar sind. Sie sind in der Regel hoch pigmentiert, einigermaßen geruchlos und zum Teil auch nicht mit Formaldehyd versehen. Ammonium ist allerdings auch hier in kleinen Mengen bei der Produktion nötig. Nach Aussage des Chemikers gast es vor dem Abfüllen aus. Manche Hersteller betonen, dass ihre Produkte sicher für MCS-Betroffene, Allergiker und Menschen, die eine Chemotherapie gemacht haben, seien. Wenn sich aber die Inhaltsliste liest wie Zelluloseverdicker, Wasser, Entschäumer (nicht näher benannt!!), TiO2 (nicht näher erklärt, aber als krebserregend bei Inhalation gelistet!!), Ammonium, Acryl-Harze, Füllstoffe (vermutlich Marmormehl) und Pigmente, wissen wir trotzdem nichts über die Sicherheit des Produkts für uns Konsumenten. Sie genügen lediglich ökologischen Standards! Monona Rossol sagte mir in einem persönlichen Mailwechsel, dass manche grünen Produkte sogar toxischer seien als die normalerweise im Fachhandel angebotenen! MCS-Betroffenen muss daher angeraten werden, ihre persönliche Toleranz zu Grunde zu legen und alles zu meiden, worauf sie in irgend einer Weise reagieren! Generell muss man also vor allzu viel Euphorie warnen, denn auch in diesen Fällen liegen keine Langzeitstudien über gesundheitliche Störungen vor. Man kann also nicht sicher ausschließen, dass es Probleme geben könnte, von denen man nichts ahnt. Daher möchten wir an dieser Stelle anregen, dass alle Künstler ihre Gesundheitsprobleme grundsätzlich an die Großhändler, Hersteller von Künstlermaterialien und auch an Kunstzeitschriften mit der Forderung nach Veröffentlichung von Testergebnissen und Studien melden sollten! Hersteller haben heutzutage ein großes Interesse an Feedback durch ihre Kunden und sind oft interessiert daran, Verbesserungen in Erwägung zu ziehen. Wir haben als Verbraucher eine weitaus größere Marktmacht, als wir denken. Was wir nicht kaufen, verschwindet über kurz oder lang vom Markt, was wir nicht vehement einfordern, wird nicht produziert werden! Das bedeutet aber keineswegs, dass es nicht bereits Prototypen solcher Produkte in der Erforschung gäbe! |