MOON McNEILL – eine Malerin mit Chemikalienintoleranz
Ich war Musikerin, bevor ich zu malen begann. Malen war immer mein Traum gewesen, aber ich hatte ihn aus verschiedenen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt in meinem Leben verschoben. Mit meiner MCS-Diagnose schien der Traum zu zerplatzen! Doch nach einer Weile dämmerte mir, dass Träume gelebt werden sollten und so zur Quelle der Heilung für mich werden könnten! Heilung meint für mich: Ganzwerdung! Ich glaube nicht mehr daran, dass mein Körper jemals wieder voll funktionsfähig sein wird. Aber meine Seele und mein Bewusstsein sind unangetastet! Sie sind so kreativ wie zuvor, ich ermüde nur schneller, muss im Winter deutlich öfter pausieren und muss meine Zeit klug einteilen. Meine Zeit für Kunst ist kostbar geworden – doch sie ist ein Geschenk des Himmels! Als ich 2001 zu malen begann, musste ich zwei Jahre nach verträglichen Farben suchen. In der Zwischenzeit gründete ich das Netzwerk Creative Canaries und versuchte herauszufinden, ob es noch mehr Leute mit solchen Problemen gab. Zu meinem Erstaunen sprach es sich ausgerechnet in Amerika zuerst herum, dass dieses Netzwerk existierte. Später kamen auch Künstler aus Australien, Kanada, Italien und Holland zu uns. In Deutschland wissen die meisten Künstler nicht, was mit ihnen geschehen ist! Falls sie es tun, erfahren sie Stigmatisierung und Diskriminierung und geben die Kunst wahrscheinlich eher auf als nach Wegen zu suchen, um verträglichere Materialien zu finden! Deutsche sind daher selten unter den Creative Canaries. Das ist schade! Mein nächstes Problem war die Tatsache, dass ist an schrecklichen Schmerzen in Muskeln und Sehnen litt und anfangs kaum in der Lage war, zu malen! Daher übernahm ich eine Maltechnik, die die australischen Aborigine für ihre heiligen Dreamings entwickelt hatten. Sie machen Punkte! An manchen Tagen konnte ich nur zehn Punkte machen, an anderen hundert. Nach und nach entstanden Bilder – und ich erkannte, dass ich auch unter diesen Umständen Malerin sein konnte.
In den letzten beiden Jahren konnte ich zu meiner Überraschung zahlreiche meiner Bilder verkaufen und sogar einige Ausstellungen realisieren. Ich habe gelernt, welche Lebensumstände ich benötige, um einigermaßen arbeiten zu können. Durch konsequente Meidung aller Stoffe, auf die ich sensibilisiert bin, konnte ich meine Lebensqualität erheblich verbessern! Natürlich kann ich noch nicht von meiner Kunst leben, aber ich kann einen erheblichen Teil meines Lebensunterhalts mit ihr verdienen – und das macht mich stolz! Ich fühle mich wieder zum Leben gehörig! Man stelle sich vor, ich hätte niemals versucht, bis hierhin zu kommen!!! Ich hätte keine Ahnung gehabt, was für Bilder in mir waren.
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