Perino Heydemann,

Grußwort an das Netzwerk "Künstler mit MCS"
Künstler waren zu allen Zeiten mit ihrer besonderen Sensibilität die Spiegel der Stärken und Schwächen ihrer Zeit. Wie im ausgehenden Mittelalter Hieronymus Bosch, der in seinen apokalyptischen Visionen die Ängste seiner Mitmenschen und damit den inneren Zustand der damaligen Gesellschaft festhielt, oder in den Zwanziger Jahren Künstler wie George Grosz, die in ihren Bildern das geistige Klima widerspiegelten, in dem schließlich der Nationalsozialismus bis hin zu seiner Machtergreifung gedieh, so sind auch heute wieder Künstler die Spiegel der Krankheiten unserer Zeit.

Schon immer waren Künstler auch in ihrer körperlichen Existenz bedroht, früher wenn sie den Herrschenden und der zeitgenössischen Gesellschaft allzu sehr den Spiegel vorhielten, heute nicht mehr direkt durch diese Herrschenden, wohl aber, wie viele andere besonders sensible Menschen, durch die direkten oder indirekten Auswirkungen ihrer Politik, ihres allgegenwärtigen Einflusses, der allzu oft - trotz gebetsmühlenartig wiederholter gegenteiliger Beteuerungen - im Kern aus kaum mehr als einer wertebefreiten, emotional kalten Doktrin der Technik-, Wirtschafts- und Wissenschaftsgläubigkeit besteht, die allein pure Machbarkeit und Profitorientierung als Leitfaden ihres Handelns anerkennt.

Wir alle neigen leider allzu oft dazu, aus einer Art persönlichen Ohnmachtsgefühls heraus unsere ganz persönliche Verantwortung an solche höheren Instanzen abzutreten, mit der Ausrede " wir alleine können ja doch nichts bewirken". Doch damit machen wir uns mitschuldig - eben durch unterlassen. Diese Gesellschaft hat immer noch Angst vor ethischen Werten - vielleicht wegen des schrecklichen Missbrauchs von geistigen Werten während des Dritten Reiches. Doch diese durch die technische Überlegenheit des Westens weltweit verbreitete Doktrin wertebefreiter Machbarkeit spiegelt sich nun immer mehr und für alle zunehmend sichtbar in einer immer mehr entgleisenden Umwelt wieder, der toxische Lasten aufgebürdet werden, als sei sie nichts als ein kostenloser Mülleimer unendlicher Kapazität. Doch bereits jetzt, viel früher als wohl von vielen erwartet, bekommen wir die Folgen dieses Handelns zu spüren. Neben den immer deutlicher werdenden Klimafolgen leiden auch immer mehr Menschen an immer mehr Allergien bis hin zum völligen Zusammenbruch ihres Immunsystems. Sie im Besonderen, und dazu gehören eben auch viele Künstler mit MCS, sind die Warnleuchten, die uns anzeigen, dass es eigentlich schon 5 nach 12 ist.

Darum finde ich es besonders begrüßenswert, dass meine liebe Freundin Moon McNeill dieses Netzwerk "Künstler mit MCS" gegründet hat. Die persönlichen Schwierigkeiten dieser Künstler und deren Bewältigung, im Alltäglichen wie auch im Künstlerischen, stehen exemplarisch für das, was uns allen drohen kann, wenn wir weiter achtlos verharren und uns von anderen einfach "leben lassen" - statt selbst zu leben und unser Leben in all seinen Aspekten selbst in die Hand zu nehmen.

Perino Heydemann,
13583 Berlin















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