Moon McNeill -

Grußworte an die MCS-Künstler
Multiple Chemical Sensitivity (MCS) ist viel weiter verbreitet, als die nicht betroffenen Menschen in den so genannten zivilisierten Ländern annehmen. Die Probleme von Menschen, die an diesem Zustand leiden, sind schwierig und schwerwiegend. Was noch viel schlimmer ist: sie werden leider weitgehend ignoriert und der Wunsch nach Unterstützung und medizinischer Hilfe wird oft versagt. MCS-Betroffene werden als "Hysteriker", "Psychokisten" oder "Ökochonder" abgestempelt. Beide Beschreibungen sind falsch - sie übergehen die Tatsache, dass auch gestandene Golfkriegs-Veteranen oder neu geborene Babys diesen chronischen Zustand erleiden können, wenn sie mit entsprechend giftigen Materialien in Kontakt kamen. MCS ist kein Problem einer Minderheit. Das Problem liegt darin, dass eine Mehrheit von Menschen nicht erkennt, dass sie genauso betroffen sein könnte.
MCS ist eine relativ moderne Erkrankung. Sie wird durch Substanzen verursacht, von denen industrialisierte Gesellschaften abhängen. Bereits vor 200 Jahren verursachten die ersten Industrien Allergien, Asthma und Krebs. Inzwischen sind toxische Substanzen ein Teil unserer täglichen Umgebung geworden. Für einige Menschen - speziell solche mit Immunstörungen und hormonellen Unregelmäßigkeiten - kann die toxische Last untragbar werden: sie können hypersensibel auf bestimmte Chemikalien werden. Nach einer Weile breitet sich das Phänomen auch auf Haushaltschemikalien und andere Dinge des Alltags aus und verursacht allergische Reaktionen auf eine Vielzahl von Stoffen. Ärzte, Politiker und Wissenschaftler weigern sich immer noch weitgehend, MCS als ein echtes Problem gelten zu lassen - obwohl sie den dramatischen Anstieg an Betroffenen durchaus wahrnehmen. Die hohe Zahl an Betroffenen mit denselben Beschwerden wird die Öffentlichkeit aber bald genug dazu zwingen, die Ernsthaftigkeit des Problems zu erkennen. Es wird ein Tag kommen, an dem ein hochrangiger Politiker, ein anerkannter Wissenschaftler, ein bekannter Arzt oder ein Popstar die Diagnose Multiple Chemische Sensitivität erhält. Eines Tages wird die Frage lauten: wie konnten wir eine Welt erschaffen, in der die menschliche Gesundheit so wenig zählt?! Auch Sie sind hochgradig gefährdet, wenn Sie in einem Beruf arbeiten, in dem sie regelmäßig ungeschützten Kontakt zu Chemikalien haben. MCS ist kein Zustand, der nur einige "Schwächlinge" befällt - er kann auch SIE betreffen. Egal, wer Sie sind!
Es ist ein Anliegen der Künstler mit MCS, eine größere Bewusstheit über die Probleme zu schaffen, die MCS mit sich bringt. Die Netzwerkmitglieder helfen und unterstützen sich in allen Belangen liebevoll. Au?r schweren Gesundheitsproblemen und dem Mangel an bezahlbarer und sinnvoller Behandlung sind soziale Isolation und sogar Obdachlosigkeit nicht selten. Eines der Hauptprobleme von Menschen mit MCS ist der Verlust der Fähigkeit, zu arbeiten und einen ausreichenden Lebensunterhalt zu verdienen. Insbesondere für Künstler ist dies vernichtend. Stellen Sie sich eine Sängerin vor, die keine Konzerte geben kann; eine Autorin, die nichts lesen kann, geschweige denn Lesungen vor interessiertem Publikum halten; einen Filmemacher, der seine Crew nicht verträgt und keinen sicheren Drehort findet; einen Maler, der unfähig ist, irgend eine Farbe auszuhalten; einen Photographen, der keine Entwicklerflüssigkeit benutzen kann. Ahnen Sie, was ich meinen könnte? Wenn Sie es ahnen, können Sie die Probleme benennen.
Ich bin sehr stolz, die künstlerischen Arbeiten zahlreicher Künstler mit MCS aus drei Kontinenten auf dieser Homepage präsentieren zu können. Mögen die Besucher sich an ihnen freuen - und mögen sie diese wunderbaren Menschen in ihrem täglichen Kampf um das Überleben unterstützen und ermutigen: finanziell, mental und spirituell. Wir möchten keine Anerkennung, nur weil wir MCS haben. Wir verdienen Anerkennung, weil wir Künstler sind. Trotz MCS.

Moon McNeill, Präsidentin der Künstler mit MCS

Malerin und Autorin


© 2006