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Beverly Naidus - Grußworte an die MCS-Künstler Ich habe mit großem Interesse gehört, dass das internationale Netzwerk Künstler mit MCS eine eigene Webseite erstellt hat. Wegen MCS behindert zu sein ist ein enormer Stress in einem Künstlerleben, und kommt leider in unserer ziemlich vergifteten Welt zu häufig vor. In meinem digitalen Kunstprojekt CANARY NOTES: The Personal Politics of Environmental Illness habe ich begonnen, einige der Themen zu erforschen, mit denen Menschen mit MCS konfrontiert sind. Menschen, bei denen eine Immunstörung wie etwa eine Umwelterkrankung, Multiple Chemikaliensensibilität oder Chronisches Müdigkeitssyndrom diagnostiziert wird, werden oft Kanarienvögel (Canaries) genannt, weil man früher Kanarienvögel in die Minenschächte mitnahm, um die Giftigkeit der Luft zu testen. (Anm. der Übers: Kanarienvögel fallen bei Gasausbruch tot von der Stange). Künstler gehören mit zu den ersten, die diese mysteriöse Erkrankung bekommen haben; ebenso wie Arbeiter in vielen Fabriken in der ganzen Welt oder Bewohner von Gegenden, in denen systematisch und oft genug absichtsvoll Giftmüll abgeladen wird. Canaries fühlen sich wie Meerschweinchen, die empfindlichen und verletzlichen, die in Labor-Testreihen und Tierversuchen die (Über-)Lebbarkeit unserer Umwelt testen müssen. Einige Canaries verfallen in Trauer: Sie möchten den alten Job zurück, ihr Haus, ihre Gemeinde, die Fähigkeit ganz alltägliche Dinge zu tun, wie etwa Freunde zu besuchen, ins Restaurant oder zum Einkaufsbummel zu gehen oder ein Kino zu besuchen. Einige sind vollkommen von der Welt abgeschnitten, ihre Tolleranzgrenze für Chemikalien (chemical load) ist überschritten. Viele leben in Isolation, alle Reserven sind erschöpft und sie kämpfen um eine Balance. Einige Canaries leben in Verleugnung: Sie durchpflügen die Regale der Pharmaindustrie auf der Suche nach einer Wundermedizin, hoffend, dass die Symptome irgendwie weg gehen und dass die Gründe für ihre Erkrankung (was auch immer sie seien) sich einfach von allein wieder korrigieren. Sie versuchen, normal zu erscheinen. Manche Canaries sind wütend: Warum ich? Warum meine Familie? Warum behandeln mich so viele Ärzte wie eine Verrückte, wie eine Paranoide, wie eine von denen? Warum leben wir in einer Gesellschaft, die alle möglichen Arten von Vergiftung weiterhin zulässt? Wer kungelt da mit wem (die Produzenten und Verkäufer dieser Chemikalien, die Pharmaindustrie, das medizinische Establishment, der Gesetzgeber)? Was macht diese Leute so unethisch, gewissenlos und so sozial unverantwortlich? Manche Canaries werden Aktivisten und Organisatoren, sie versuchen, zusammen mit den noch Gesunden an den Säumen der Fabrikationsmaschinerie zu zerren, um das Vergiftungspotential hier und in internationalen Kontexten zu verhindern und die gesunde Bevölkerung aufzuwecken. Sie verstehen, dass wir alle Canaries in der Mine sind und dass "saubere Orte", in denen man Zuflucht finden könnte, eine Sache der Vergangenheit sind. Als eine, die selbst durch eine Umwelterkrankung behindert war, der es aber durch Glück und gute Umstände gelungen ist, eine Besserung zu erzielen, hoffe ich, meine Arbeit des Eintretens für meine nicht so glücklichen Kollegen fortsetzen zu können. Ich bin dankbar, dass jetzt dieses Forum existiert, in dem sich Künstler über ihre Probleme austauschen und einander Unterstützung bieten können. Ich hoffe, dass Eure Bemühungen auch eine Bewegung festigen, die Firmen, Hersteller oder andere Institutionen in die öffentliche Verantwortung nimmt, und den Menschen klar macht, dass wir nur in Harmonie, Kreativität und Gesundheit überleben können, wenn wir unsere tiefe Verbindung zueinander erkennen. Beste Grüße, Beverly Naidus Künstlerin/Autorin/Aktivistin/Erzieherin/Mutter University of Washington, Tacoma |