Monona Rossol -

Grußworte an die MCS-Künstler
Liebe Moon McNeill,
ich muss mich für die späte Antwort entschuldigen. Täglich fallen derzeit etwa 35 Briefe zur Beantwortung an, und manchmal gerät eine Anfrage, die sofort beantwortet werden sollte, in den falschen Stapel und es kommt zu einer Verzögerung.
Ich habe seit 1977 Anfragen von Künstlern beantwortet. Sie haben MCS Symptome beschrieben, noch bevor die Krankheit überhaupt einen Namen hatte. Über die Jahre gesehen, schätze ich mit über tausend MCS-Betroffenen gesprochen zu haben. Und ich habe gute und schlechte Nachrichten.
Die schlechte Nachricht ist, dass diese Erkrankung in den USA immer noch beinahe unbekannt ist. Da es keinen einfachen Test gibt, mit dem man die Diagnose bestätigen könnte, können die Betroffenen auch keine Schadenersatzklagen einreichen oder Berufsunfähigkeitsrente einklagen.
Die gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der Menschen, mit denen ich es über die Jahre zu tun hatte, Besserung erlangen - vorausgesetzt, sie meiden die Substanzen, die ihre Symptome auslösen. Ich kannte nur zwei Betroffene die nach 10 Jahren keine Besserung erfahren hatten. Einer davon ist gestorben.
Nach meiner Erfahrung können beinahe alle MCS Künstler genug Besserung erzielen, um wieder einige normale Tätigkeiten in ihr Leben aufzunehmen, wenn sie die auslösenden Chemikalien etwa 2-5 Jahre lang meiden. Über die Jahre können viele wieder zu einem normalen Leben zurückkehren.
Das bedeutet aber nicht, dass sie in verrauchten Bars herumhängen oder in unventilierten Räumen mit Öl malen könnten oder Metallskulpturen herstellend im entstehenden Rauch stehen. Aktivitäten wie diese erledigen sich gewöhnlich für diese Menschen für den Rest ihres Lebens. Aber es gibt viele Kunstmaterialien, wie zum Beispiel wasserlösliche Ölfarben oder einige Sorten Wasserfarben, die mit Vorsicht und genügend Lüftung vertragen werden können.
Manchmal bringt MCS auch eine kreative Anpassung hervor. Eine Künstlerin, die ich kannte, konnte überhaupt nur noch einige Arten farbiges Papier tolerieren. Die Schere einsetzend, konnte sie sehr individuelle Scherenschnitte entwickeln. Sie hatte mehrere wichtige Solo-Ausstellungen und ihre Arbeiten wurden auch von Schweißern, die unter ihrer Anleitung arbeiteten, als flache Metallskulpturen umgesetzt.
Summa summarum ist MCS ein persönliches und ökonomisches Desaster. Einige profitable Karrieren sind deswegen abrupt beendet worden. Zum Beispiel kann in der kommerziellen Theaterszene bei den Kostümen und in der Requisite nicht ohne toxische Substanzen gearbeitet werden, und Mitarbeiter, die MCS entwickeln, müssen ihren gewählten Arbeitsplatz aufgeben. Ebenso können Schauspieler und Musiker, die Kunstnebel und Spezialeffekte nicht aushalten können, keinen vernünftigen Lebensunterhalt verdienen, wenn sie nur in Shows arbeiten können, wo man diese Effekte nicht benutzt.
Vor drei Tagen, als ich OSHA-Training an einem Opernhaus gab, musste ich einer jungen Kostümbildnerin, die bereits zwei anaphylaktische Schocks durch Kontakt mit gewöhnlichen wasserlöslichen Latexfarbene erlitten hatte, sagen, dass sie nicht an ihren Arbeitsplatz zurückkehren könnte, sondern nach Hause gehen soll und sich einen anderen Lebensplan überlegen. Tage wie dieser brechen mir das Herz.
Die Verzweiflung, Frustration und der Ärger über die Ungerechtigkeit dieser Situation bringt einige MCS-Betroffene dazu, Umweltaktivisten zu werden. Das sind besondere Menschen, für die Umweltthemen nicht nur eine Verstandessache sind, sondern etwas tief empfundenes.
MCS bringt Künstler mitten in ihrer Karriere dazu, ihre Identität zu suchen. Beispielsweise realisieren MCS-Künstler dann, dass sie sich nicht über ihr Medium identifizieren können. Sich "Ölmaler" zu nennen, verwechselt Dein eigenes grundlegendes Wesen mit dem Werkzeug, das Du wähltest, um dieses Wesen und seine Natur auszudrücken. Ein wahrer Künstler in einer Gefängniszelle, nur mit Essen und Wasser ausgestattet, wird einen Weg finden, Kunst zu machen. Und auf eine gewisse Art ist MCS eine Gefängnisstrafe, von der die meisten MCS-Künstler in ein paar Jahren freigesprochen werden, wenn sie gutes Verhalten zeigen.
Ich würde gerne eine Studie sehen, die MCS-Betroffene über Jahre untersucht. Ich beginne zu glauben, dass die Lebensstil-Änderungen, die durch MCS erzwungen werden, nach und nach zu einem gesünderen und längeren Leben für die meisten führen.
MCS ist eine Erkrankung unserer Zeit. Und die Heilung ist keine Pille und keine Operation. Die Heilung erfordert grundlegende Änderungen in der Art, wie Chemikalien hergestellt und weltweit genutzt werden. Unglücklicherweise glaube ich, dass MCS uns für eine lange Zeit begleiten wird.
Monona Rossol, M.S., M.F.A.,

industrial hygienist
Arts, Crafts & Theater Safety, Inc. and Safety Officer,
United Scenic Artist's, Local 829
International Alliance of Theatrical Stage Employes (IATSE)
181 Thompson St., #23
New York NY 10012-2586 212/777-0062
(Übersetzung Moon McNeill)





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